Verstärkungsfaktor von Vorstufenröhren:

Von Zeit zu Zeit höre ich von Kunden, dass ihre Amps undifferenziert in den Bässen sind oder zu sehr rauschen oder nicht lange genug Clean bleibt usw.! Eine sehr gute Alternative ist hier erstmal die V1 zu tauschen, die einfach weniger Gain hat (die 1ste Vorstufenröhre sitzt meistens am weitesten weg von den Endstufenröhren und ist von der Bauhöhe die Niedrigste). Bei 2-Kanal Amps sind es natürlich die ersten beiden Röhren (V1 & V2).


Anbei ein kleine Aufstellung der verschiedenen Gain-Faktoren, mit den (leider) unterschiedlichen Bezeichnungen. Sind aber dennoch alles die gleichen Typen.


100% Gain: 12AX7 - ECC83, ECC803, E83CC, 6681, 7025 (Fender named mostly Low Noise)

  70% Gain: 5751

  60% Gain: 12AT7 - ECC81, 6201, 6679 

  45% Gain: 12AY7 - 6072 

  40% Gain: 12AV7 - 5965 

  20% Gain: 12AU7 - ECC82, 5963, 5814, 6189


Eine 12AX7 in USA, ist die Bezeichnung ECC83 in Europa, sowie auch die Bezeichnung 7025 die Fender benutzt hat.


Es ist immer einfacher, mehr Gain durch ein Pedal hinzuzufügen, als einen „heissen“ Amp cleaner zu bekommen!

Bei Vorstufenröhren lohnt es sich IMMER nach „alten“ Röhren ausschau zu halten. Diese verändern den Ton meistens immer in die richtige Richtung. Fett, sprühend und schnell in der Ansprache. Wir von ProGuitar haben immer ein grosse Auswahl auf Lager auf Anfrage.

Gibt es neue Röhren, die so gut klingen wie die „Alten“? Ja, Nein, Vielleicht!


Reverb Tubes:

Natürlich funktioniert das auch mit der Hall-Treiberröhre (Standard ist die 12AT7). Hier müssen keine Low-Noise oder non-microphonic Röhren benutzt werden. Zusätzlich verwendet ein Röhren-Amp mit Reverb eine 12AX7 für den Reverb-Output. Hier wird viel Verstärkung benötigt, kann aber auch reduziert werden. Ist der Reverb zu laut, einfach eine Röhre mit weniger Gain benutzen. Auch hier müssen keine Low-Noise oder non-microphonic Röhren benutzt werden, da der Federhall meistens eh schon selbst mikrofonisch ist.


Tremolo Tube:

Amps mit Tremolo habe meistens eine 12AX7- oder 12AT7-Röhre, welche natürlich mit weniger Gain etwas weicher in der Ansprache sind. Hier tun es immer auch günstige Röhren.


Phase-Inverter Tube:

Diese Röhre kommt bei den meisten Amps nur zum Einsatz, wenn mit 2 oder 4-Endstufenröhren gearbeitet wird. Wie beim Reverb wird meistens eine 12AT7 verwendet. Auch muss keine Low-Noise benutzt werden, jedoch die Heizungskathodenisolierung sollte sehr gut sein. Grad bei den frühen Fender Amps wurden 12AX7 oder 7025 als Phase-Inverter benutzt - diese Röhren sollten dann von sehr guter Qualität sein.




Rectifier-Tubes (Gleichrichterröhre):

Eigentlich macht diese Röhre nur die Wandlung von AC (Wechselspannung) auf DC (Gleichspannung), dennoch gibt es hier, vor allen im Attack, kleinere Klang- und Dynamikunterschiede. Dabei ist zu beachen, dass der Netztrafo auch den Spannungsabfall verkraftet z.B. 3,7 oder 5 Volt. Oft nennt man diesen auch „Sag“ der den Ton im aller ersten Attack schmatzig klingen lässt.


GZ34/5AR4 (Ersetzt auch 5U4GB bzw. 5U4G) Eine Reproduktion der Mullard/VALVO GZ34. Eine kräftige Gleichrichter-Röhre mit dem typischen Sag, der den Sound der erfolgreichsten Gitarren-Amps der 1960er Jahre bis heute ausmacht


5U4G Klassisches Design mit großen Glaskolben wie z.B. verwendet im Mesa Boogie Double/Triple Rectifier. Entspricht der 5U4GB in der Anwendung.


5U4GB Mit geradem Glaskolben wie in vielen Amps der 50er bis in die frühen 70er Jahre verwendet wurden


5Y3GT/6087 Die ideale Gleichrichterröhre in vielen kleinen Amps wie z.B. dem 5F1 Fender Tweed Champ oder dem Tweed Delxue 5E3. Diese Ausführung (mit dem kleinen Glaskolben) entspricht den NOS Typen der 50er in Charakteristik und Zuverlässigkeit.


5Y3WGTB ersetzt jede 5Y3GT; typischer "Sag" der NOS 5Y3 Röhren. Damit wird eine etwas geringere Gesamtleistung/Lautstärke erzielt.


EZ81/6CA4 Die Gleichrichterröhre mit 6.3V Heizung. Verwendet in kleinen, meist europäischen Amps, wie z.B. Marshall 1974X


Solid State Rectifier (Diode): ersetzt 5U4G/GB, GZ34, 5AR4 und 5Y3 Gleichrichterröhren durch Diodengleichrichtung - der Attack wird etwas definierter, aber auch etwas härter.



Standby:

Es gibt viele widersprüchliche Aussagen, wie man nun einen Röhren-Amp nun ein- und ausschaltet!

Einschalten: Power ON und nach ca. 20 Sek. den StandBy On.

Ausschalten: Power Off und erst wenn nichts mehr hörbar ist, den StandBy Off.

Klar ist das eher eine philosophie Frage, aber es gibt halt auch amps, die keinen Entladewiderstand haben zB. Amps mit  GZ34 Gleichrichter. D.h. wird beim Ausschalten erst der StandBy und danach der Power Off Schalter betätigt, bleibt der Amp durch die Elko‘s unter Spannung. Ist eigentlich auch kein Problem, aber sollte man dennoch das Chassis ausbauen, ist die Gefahr da, das man einen elektrischen Schlag bekommt.

 Z.B. bei Amps mit EZ81 Gleichrichter ist es unwichtig, wie man ausschaltet, den solche Amps haben einen Entladewiderstand.



Preamp-Tube-Covers:

Zieht mal die Abdeckungen der Vorstufenröhren ab - ihr werdet staunen. Plötzlich klingt der Amp etwas offener und lebendiger. Einziger Nachteil, es könnten minimal mehr Störgeräusche auftreten z.B. vom Handy


Pentode/Triode:

Wegen der höheren Verstärkung kommen vor allem in Endstufenschaltungen heute praktisch ausnahmslos Pentoden zum Einsatz. Trioden sind als Endstufenbestückung seit den 40er Jahren (bis auf einige Anwendungen in nostalgischen HiFi-Verstärkern) ausgestorben. Manche Gitarrenverstärker erlauben auch das Umschalten zwischen Pentoden- und Triodenbetrieb.



Half Power Switch:

Viele Amps mit 4 Vorstufenröhren haben heute einen 1/2-Power Switch, wobei von den 4 Endstufenröhren dabei 2 abgeschaltet werden. Sie laufen zwar immer noch, aber ohne Leistung. Sollte Euer Amp das nicht haben, ist es eine Kleinigkeit da auch selbst vorzunehmen. Einfach die beiden Äusseren oder die beiden die sich in der Mitte befinden rausnehmen. Dann z.B. eine 8 Ohm Box/Lautsprecher einfach auf 4 Ohm anschliessen. Eine 16 Ohm Box dann auf 8Ohm anschliessen. Das wars. Ihr habt die halbe Leistung und schont zwei Endstufenröhrern.

Das ist aber nicht bei allen Amps zu empfehlen z.B. Kathode Bias Amps wie der AC30, dieser würde überhitzen!


Bright Cap:

Dieser Kondensator sitzt gleich am ersten Volume- oder Gain-Pot vom Amp und erhält mehr Höhen, je weniger der Volume/Gain aufgedreht ist. Jeh weiter der Regler aufgedreht wird, desto weniger Höhen bleiben bestehen, denn meist steigt dadurch auch die Verzerrung, die eh schon Höhen mit sich bingt.

Für Röhren-Verstärker kommen meist Silver-Mica Kondensatoren zum Einsatz im Wer von 120pF bis ca. 500pf.

Alles in allem wird dadurch das Höhen-Verhalten zwischen Clean- und Distortion gleichmässiger!


Channel-Patch (jumpering):

Wir alle kennen den Channel-Patch bei Marshall Amps, wo durch ein kurzes Gitarrenkabel, der Treble Kanal zusätzlich mit dem Normal-Kanal „ge-patch“ wird, also miteinader verbunden wird, um so bei Inputs gleichzeitig nutzen zu können. Das geht auf alle Fälle bei allen 4-Input amps und bei vielen 2 Input amps - kann aber bei z.B. bei Blackface Amps zu Phasenauslöschungen kommen (klingt dann dünn). Was aber die wenigsten wissem, das man die Inputs auch als Outputs benutzen kann, um so ein Pedal einzuschleifen oder gar auf einen zweiten Amps zu kommen (Wet-Amp).

Pimp My Amp!